Ein Gartenfreund leitete mir einen Fehlkauf einer Gartenfreundin weiter – die versehentlich Moruga Scorpion Samen erwarb, obwohl sie „gar nichts Scharfes mag“. So kam die Information bei mir an.

Hier nochmal öffentlich ein großes Dankeschön an die mir unbekannte Spenderin. Bei Kontakt bedanke ich mich gern ebenfalls mit einer Samenspende aus meiner Sammlung. Ähäm.

So baute ich diese Pflanze 2026 erstmals an.

Zunächst war die Keimrate gar nicht gut. Die professionell in bunt bedruckter Tüte verkauften Samen waren jung und auch überraschend teuer nach Recherche. Die Keimrate war sehr schlecht. Nachgezählt habe ich Lump nicht. Vier Pflanzen habe ich gezogen, zwei verschenkt, zwei zur Ernte gebracht. Also ich meine großgezogen, nicht bei der LPG abgegeben.

Die Pflanzen sehen genauso aus wie Habaneros, reichlich 1,5 m hoch, breit ausladende Krone. Die Fruchtdichte ist ebenfalls ähnlich. Auch die Früchte sehen fast genauso aus, nur dass sie eine Art horizontale radiale „Stufe“ in der Faltung ausbilden. Größe auch wie bei Habaneros, die grössten etwa wie eine Harzfeuer-Tomate.

Das Fruchtfleisch ist auch wie bei Habaneros mitteldick bis dünn, die Außenhaut nicht lederig und nicht zu fest, knackig und angenehm.

Fragezeichen? Ja, ich hab die gegessen. Meine Freundin hatte eigentlich drauf bestanden dass ich das mache, wenn sie grad mal zu Hause ist. Wegen Notaufnahme und so.

Also bei den allgemein verfügbaren Informationen zu dieser Sorte neigt man ja fast zum Schutzanzug. Schoten ausschließlich mit Handschuhen berühren und so. Schoten. Nicht Saft. Außen. ?? 

Vielleicht reifen die unter Thüringer Sonne nicht zu ihrer vollen Gewalt aus, das ist absolut denkbar. Ich habe auch nicht die Möglichkeit zur Scoville-Messung. Ich könnte natürlich in der Nordost-Ecke des Schwiegerelterlichen Swimmingpools eintropfen und dann an der Südwest-Ecke lecken. Habbich nich gemacht.

Vielleicht hier mal so meine Erfahrungen zum Testen unbekannter Sorten und wie zumindest ich das mache. Zuerst stelle ich in Griffweite Milch, Käsebrot und ähnliches Dämpfendes mit gewissem Fettgehalt, sowie Bier zum Ablöschen. Des Mundes.

Dann schneide ich zuerst vorsichtig Stücke aus verschiedenen Schoten, bis zu 5mm x 5mm, Mitte der Schote zwischen oben und unten, unter Vermeidung jeglicher Scheidewände.

Je nach Mut beiße ich zuerst vom Käsebrot ab oder stecke mir das Chilistück gleich so pur in den Mund.

Bisher habe ich auf diese Art keine Nahtod-Erfahrung gemacht, selbst nicht mit Bhut Jolokia, obwohl, das war keine vollwertige Frucht.

Wenn man das Chilistück zerkaut, schmeckt man meist zuerst die Süße. Dann entwickelt sich das Paprika-Aroma, wenn vorhanden. Bei manchen Sorten komt auch ganz am Anfang gleich die Schärfe-Faust. Bei den meisten blüht die aber erst ganz langsam und ganz gemein im Mund auf, wenn man nicht mehr fliehen kann. Wie beim Cannabis Rauchen für Laien (ich).

So ist es bei der Moruga Scorpion. Man stirbt jetzt nicht an so einem Schnipselstück oder rennt schreiend zum Marktplatzbrunnen. Aber es entfaltet sich schon eine viehische Schärfe im Mundraum – und sonst nichts. Also man schmeckt nichts, von Frucht oder Paprika. Ich habe eine Weile überhaupt nichts geschmeckt. Ich war eigentlich am Kochen von ganz was Anderem, konnte aber eine halbe Stunde lang nicht sagen ob da jetzt Salz dran war oder nicht. Jetzt gehts wieder.

Lustiges Gefühl im Mund. Sehr warm.

Ich habe ein Chili-Püree zum Einfrieren gemacht aus gemischten frischen Schoten wie immer, diesmal mit 20% Moruga Scorpion. Und ohauerhauerha – ja, etwas vorsichtiger sein als sonst beim Essen.

Nun bin ich mir noch nicht ganz sicher, was man mit solch einer Chili machen soll. Wenn man die Teenager-Testosterone hinter sich gelassen hat (ich arbeite daran), dann macht man das doch nicht mehr als Kraftprobe.

Ich mag an Chilis besonders das Aroma, in das die Schärfe eingepackt ist. Das ist mir vor allem beim Kochen wichtig. Deswegen trockne ich Chilis auch kaum, sondern friere sie frisch geerntet püriert ein. Aber für einfach nur scharf und Schmerz?

Es war mein erster Anbau dieser Sorte und die Ernte nicht sehr groß, weil ich 2026 zu spät ausgesät habe. Vielleicht entdecke ich noch den Charme und das Aroma von Moruga Scorpion.